Basisdokument

Kirchenbild nach II. Vatikanum

Das II. Vatikanische Konzil versteht die Kirche als Volk Gottes1. Entsprechend ist die Kirche des Bistums Sitten das Volk Gottes vor Ort, das seinen Weg im Laufe der Geschichte zurückgelegt hat und in die Zukunft schreitet.2 Volk Gottes ist nicht gleichzusetzen mit der sogenannten Volkskirche, sondern mit denjenigen Menschen, die bewusst ihre Existenz in Gott verankern und sich von seiner zuwendenden Liebe gehalten wissen. Sie lassen sich von Gott ansprechen, der die Menschen in seiner Liebe als Freunde anspricht und in die Gemeinschaft mit sich einlädt.3

Dieses Volk Gottes beruft sich auf die biblische Botschaft4 und gründet in Christus, dem Licht aller Völker5. Die Kirche als Volk Gottes orientiert sich an Leben, Sterben und der Auferweckung Jesu Christi und versteht sich als Glaubens-, Hoffnungs- und Liebesgemeinschaft im Heiligen Geist.6

Christus ist die Mitte dieses Volkes Gottes. In ihm ist die Kirche gleichsam Sakrament bzw. Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott und für die Einheit des ganzen Menschengeschlechtes.7 Als dieses Zeichen und Werkzeug nimmt sie den Auftrag Jesu wahr8 und verkündet die barmherzige Liebe Gottes in Feier, Wort und Tat9 allen Menschen um sie so die Nähe des Reiches Gottes erfahren zu lassen.

Feier Die Kirche bemüht sich um eine Vielfalt von spirituell geprägten liturgischen Feierformen, damit der Mensch immer mehr in das Pascha-Mysterium hineinwachsen und seine Lebensmitte in Gott verankern kann. Gottes Gegenwart lässt sich nicht exklusiv in eine spezifische Feierform drängen.10 Ein Stillstand oder ein Verharren im nur Althergebrachten kann das Wirken des Hl. Geistes untergraben, leitet dieser doch das Volk Gottes in der Wahrheit11. Es gilt jedes Tun an der biblischen Botschaft zu überprüfen. Traditionen können nur dort sinnvoll tradiert werden, wo sie der Kompatibilitätsprüfung am Wort Gottes standhalten und nicht inhaltsleer geworden sind. Nicht von ungefähr redet das Konzil von einer „Hierarchie der Wahrheiten“, das heisst dass nicht „alle Aussagen des christlichen Glaubens den gleichen Rang und die gleiche Bedeutung innerhalb der Glaubenslehre und für die konkret gelebte Glaubenspraxis haben.

Wort Die Kirche öffnet allen Gläubigen das Tor zur Bibel und gibt ihnen die Möglichkeit, sich am Wort Gottes zu nähren.12 Das Lehramt, welches die Gläubigen auf ihrem Weg weise und in pastoraler Klugheit leitet13 steht nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm.14 Glaube, Vernunft und Wissenschaft kommen miteinander ins Gespräch um Voraussetzungen zu schaffen, damit das Evangelium von allen gehört wird.15 Wer seine Lebensmitte in Gott verankert, wird sich selber aufgrund des gemeinsamen Priestertums16 als Getaufte/r, in den Dienst des Evangeliums stellen17 und den Dialog mit Menschen suchen, auch mit denjenigen aus anderen Religionen, weiss er doch um die Religionsfreiheit jedes Menschen.18 Religion ist nicht in den Innenbereich der Gläubigen zu verbannen. Die Getauften nehmen Anteil am Verkündigungsauftrag, indem sie sich in Diskussionen in Gesellschaft und Kirche einbringen, vor allem dort, wo die Würde der menschlichen Person bedroht ist.19

Tat Dem Volk Gottes geht es zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit.20 Es nimmt sich der Schwachen an21, hört den Schrei der Armen und sucht nach Möglichkeiten auch die strukturelle Armut zu beheben.22 Die Soziallehre der kath. Kirche ist hier wegweisend.23 Die Getauften erfüllen in fundamentaler Gleichheit und unterschiedlichen Funktionen die Aufgaben zum Aufbau des Leibes Christi24 und lassen sich in ihren Bemühungen von der „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art“ leiten.25 Alle dürfen sich angenommen und geliebt fühlen.26

Dies tut die Kirche im Wissen darum, dass Gott das Heil aller Menschen will.27 So baut sie die Gemeinschaft der Glaubenden auf, welche sich als Volk Gottes unterwegs durch die Zeiten versteht.28 Das Bild des Volkes Gottes unterwegs erinnert an die Heilserfahrung Israels im Exodusgeschehen. Zum neuen Volk Gottes sind alle gerufen.29

1 vgl. LG 9
2 LG 4
3 DV 2
4 vgl. EG 175
5 vgl. LG 1
6 vgl. LG 8
7 vgl. LG1
8 vgl. Mt 28,18
9 vgl. Apg 2,42ff
10 vgl. SC 7
11 vgl. LG 4 + Joh 16,13
12 vgl. EG 175
13 vgl. LG 25
14 vgl. DV 10
15 vgl. EG 132
16 vgl. LG 10
17 vgl. EG 120
18 vgl. DH 2
19 vgl. EG 182f
20 vgl. Mt 6,33
21 vgl. EG 209f
22 vgl. EG 192 + 202
23 vgl. EG 184
24 vgl. LG 32 + EG 104
25 vgl. GS 1
26 vgl. EG 114
27 1 Tim 1,4
28 vgl. LG 9
29 vgl. LG 13